|
Die Idee
Die Botschaft der Kirche ist ohne Zweifel von einer zeitlosen Aktualität und dennoch hat es in der 2000jährigen Geschichte des Christentums immer Hoch- und Krisenzeiten gegeben. Dass aus heutiger Sicht die Lage der Kirche schon einmal besser war und wir uns eher in einer Krisenzeit befinden, brauchen wir wohl nicht näher zu erläutern. Die Kirchenaustritte, die schwindende Zahl der sonntäglichen Gottesdienstbesucher und letztendlich die zunehmende Säkularisierung unserer Gesellschaft sprechen eine deutliche Sprache. Es ist möglich, dass sich diese Entwicklung von selbst wieder umkehrt, doch sicher schadet es nicht, wenn man diesem unseligen Trend entgegenwirkt. Das kirchliche Leben hat viele Facetten. Wir sorgen uns um den Bereich, den wir am besten kennen: um die Kirchenmusik.
Das kirchenmusikalische Leben in Deutschland sucht weltweit seinesgleichen. In keinem anderen Land gibt es ähnlich viele Chöre und Kirchenkonzerte, eine vergleichbare Orgellandschaft und entsprechende finanzielle Aufwendungen für den sakralen Kultursektor. Und doch ist der Begriff "Kirchenmusik" beim Durchschnittsbürger negativ besetzt. Man assoziiert langweilige Choräle, trägen Gemeindegesang, konservative Chorsänger, alte Orgelmusik - ein ganz und gar "uncooles Szenario". Sicher, die Kirchenmusik soll nicht zur seichten Unterhaltung verkommen, aber dennoch könnte sie einen Schritt auf die Gemeinde zugehen, sowie Neuerungen der allgemeinen Musikkultur aufgreifen, ohne ihren eigentlichen Auftrag zu verlieren. Wir wollen den Kirchenmusikern eine liturgische Musik mit einer neuen Ausdruckspalette an die Hand geben und wollen das bestehende Repertoire sinnvoll ergänzen und nicht verdrängen.
Wir haben eine Kantaten-Reihe nach barockem Vorbild aber mit einer zeitgemäßen Musiksprache konzipiert. Die Wildenloh-Kantate steht in der großen Lücke zwischen kirchlicher E- und U-Musik. Auf der einen Seite pflegt die Kirche (zu recht) das große Erbe vergangener Epochen (z.B.: Bachs Kantaten oder Mozarts Messen) und auf der anderen Seite steht der Bedarf an moderner und gemeindegemäßer Kirchenmusik. Viele der neuen geistlichen Lieder, die sich in den letzten 40 Jahren verbreitet haben, sind heute schon "Klassiker" und als solche ja auch in den Gesangbüchern zu finden. Wir denken, dass die Zeit gekommen ist, um mit dem Material dieser Lieder größere Formen zu schaffen - also musikalisch wie textlich über das gängige Strophenmodell hinaus zu gehen. Die Wildenloh-Kantate verbindet auf ihre Weise die eine Seite mit der anderen: Sie ist wie die neuen geistlichen Lieder von musikalischen Elementen des Pop und Jazz geprägt, greift aber gleichzeitig auf die größeren Formen der Barockkantate zurück - sie ist also mehrsätzig - und nutzt das moderne wie das klassische Instrumentarium.
Diese Seite wurde zuletzt am 2006-08-21 aktualisiert.
|