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Praxis-Tipps zur Kantate 69
Die Schurkenkantate ist ein sehr rhythmisch inspiriertes Werk. Der Dirigent sollte sich vor allem mit den (in älterer Musik) unüblichen Taktarten und -wechseln vertraut machen. Das Werk gliedert sich in 12 (teilweise sehr kurze) Teile, die 6 Sätze bilden. Damit es nicht in die einzelnen Teile zerfällt, achte man auf zügige Übergänge zwischen I a,b,c, II a,b und IV a,b,c,d.
Einzelne Hinweise zu bestimmten Sätzen folgen und sind Erfahrungen der Proben zur Uraufführung (Köln, 30.3.2003):
Übergänge in Satz I
Die Tempoangaben sollten genau befolgt werden; in Ib (Bass-Solo) herrscht (zu Ia) doppeltes Tempo. Diesen Satz sollte man nicht unterschätzen, da die unterschiedlichen Rhythmen genau übereinander zu bringen sind. Es ist ratsam, von der Cellostimme auszugehen und sich diese bei der Vorbereitung genau klarzumachen. Den 5/4-Takt dirigiert man hier mit Schwerpunkten auf der 1 und 3.
Der Teil Ib endet (ohne rit.) mit dem Grundton h. Von hieraus übernimmt der Chor seinen (nicht leichten) Einsatz in Ic. Den Übergang sollte man gut proben.
Satz III - Alt-Solo II
Bei den Proben zur ersten Aufführung habe ich verschiedene Schlagfiguren ausprobiert, wobei sich durchgeschlagene Viertel als die praktischste Lösung erwiesen haben. Die ersten beiden Achteldreiergruppen (siehe Orgel) sollten dabei aber nicht verloren gehen, sondern deutlich betont werden.
Satz IVc - Tenor-Solo
Der 7/8-Takt erfordert verschiedene Schlagarten. Ab Takt 4 schlage man einen Dreier mit gedehnter 3 (also die letzte Achtel im Takt nicht separat angeben). Ab Takt 11 dehne man die 1. Gut proben muß man den Einsatz von Celli und Kb. in Takt 20, als Auftakt gebe man - entsprechend dem Orgelpart (T. 19) - eine gedehnte 3, geht dann aber sofort wieder zur gedehnten 1 über. Die hohen Streicher brauchen für Takt 21 eine deutliche Viertel als Auftakt. Vorhergehende Einzelproben mit dem Tenor sind für diese schwierige Arie sehr zu empfehlen.
Satz VI - Choral
Der Satz dürfte bis zu Takt 13 keine Probleme machen. Dann aber wird die Sache weitaus schwieriger als sie auf dem Papier aussieht: Der Chor muß in langsamen, aber gleichmäßigen Viertel die Augmentation des Choral singen. Hier ist Präzision gefragt, denn bei Ungenauigkeiten leidet der Alt-Solopart. Den 8/4-Takt schlage man ruhig, aber genau, und achte auf die dynamischen Verhältnisse (der Alt muß klar hervortreten). Diese langsame Musik mit ihren drei Ebenen (Streicher, Chor und Solo) genau auszuführen war bei den Proben zur Uraufführung das größte Problem.
Zum Schluß eine Bitte: Honorieren Sie die Arbeit unserer Autoren und melden Sie jede Aufführung der GEMA. Wenn Sie Fragen zu diesem Thema haben, schicken Sie uns eine Email. Wir helfen Ihnen gerne weiter.
Ansonsten bedanken wir uns für Ihre Meldung mit folgendem Musikerwitz.
Diese Seite wurde zuletzt am 2006-08-21 aktualisiert.
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